Autoren kommen zu Wort

Autoren kommen zu Wort mit Laura Newman

Hallöchen liebe Leser. Auf geht’s in eine neue Runde „Autoren kommen zu Wort“. Auch diesen Monat habe ich wieder eine sehr wunderbare Autorin für euch, die euch einen Einblick in ihre Welt und Gedanken verschafft. Laura Newman ist schon längst kein unbekannter Name mehr in der Buchwelt, vor allem, wenn es um das Thema Selfpublishing geht. Aber nicht nur als Autorin hat die junge Bremerin sich einen Namen gemacht, ihre Fans können sie regelmäßig auf YouTube bewundern, wo sie die Zuschauer an ihrem Leben und Schaffen teilhaben lässt. Laura ist ein Kreativjunkie und lebt das voll und ganz aus. Sie neben dem Schreiben und Schneiden, ist sie außerdem damit beschäftigt Schmuck zu designen, den man übrigens in ihrem Dawanda-Shop „La Crevette Poupin“ kaufen kann – seid vorgewarnt, man will praktisch jedes einzelne Schmuckstück haben. 😀

 


Laura Newman kommt zu Wort
Wie jetzt? Ein Text, völlig frei von Vorgaben?

Man sollte meinen, als Autorin fiele mir so etwas leicht. Einfach mal drauf los plaudern, doch ich musste tatsächlich eine Weile darüber nachdenken, bevor ich ein passendes Thema für diesen Beitrag gefunden habe. Schließlich habe ich mich dazu entschieden, über das »Glücklichsein« zu schreiben. Nicht glücklich, im klassischen Sinn. Nicht Glück, das man empfindet, wenn man gerade vor den Altar tritt oder das man jemandem wünscht, dem eine schwere Prüfung bevorsteht. Ich rede von Zufriedenheit, von Einsicht, Selbsterkenntnis und überhaupt erst der Fähigkeit Glück wahrzunehmen, denn eines habe ich immer wieder feststellen müssen, seit ich mit dem Schreiben begonnen habe.

 

Ich war noch nie so glücklich.

 

Ich besuchte kürzlich die Familie. Es gab Kuchen, die Kinder weinten, weil man ihnen das zweite Schokoladen-Ei verbot, und lachten, als es dann wenigstens ein Kleineres gab. Die Sonne schien, was im März nicht selbstverständlich ist, und alle waren wohlauf. Eigentlich ein ganz normales Osterfest. Viel später erst, als ich längst wieder daheim war, erfuhr ich, dass gleich mehrere Familienmitglieder an mir eine erstaunliche Ruhe festgestellt hatten. Man sieht sich nicht häufig, wenn alle quer über Deutschland verteilt wohnen und so ist es kaum verwunderlich, dass Veränderungen schnell ins Auge fallen. Gewöhnlich handelt es sich hierbei allerdings eher um zwei oder drei Kilo mehr auf den Hüften, um eine neue Frisur oder das neue Auto. Dass mir hier nun aber ein völlig neuer Wesenszug, eine wahrnehmbare Veränderung meines Auftretens diagnostiziert wurde, stimmte mich nachdenklich. Man war sich einig darüber, dass ich mit mir im Reinen zu sein schien. Dass es den Eindruck mache, mich könne nichts aus der Ruhe bringen. Dass ich zufrieden sei, mit mir und dem, was ich in meinem Leben so anstelle. Darüber musste ich nachdenken.

 

Der Frühling hatte noch nicht begonnen, ich erholte mich noch immer von einer enorm fiesen Erkältung. Auch lag die anstrengende Buchmesse erst eine Woche zurück, die mich – ganz nebenbei erwähnt – auch meine letzten Geldreserven gekostet hatte. Doch noch viel schlimmer: Mein Vater war nur wenige Wochen zuvor verstorben. Alles in allem also ganz furchtbare Voraussetzungen, um wahrhaft glücklich zu erscheinen.

 

Wie also kommt es, dass ich diesen Eindruck erwecke? Dass meine Zuschauer auf YouTube, meine Leser auf Facebook und nun sogar meine eigene Familie zweifellos erkennen, dass ich ein glücklicher Mensch bin?

 

Man könnte es sich einfach machen, könnte das alte Sprichwort »Geld allein macht nicht glücklich« heranziehen, doch ist es so einfach? Und was genau macht dann eigentlich glücklich? Kommt es nicht auch auf den Menschen an? Ich selber halte mich für einen flatterhaften, zuweilen jähzornigen und extrem ungeduldigen Menschen. Ich bin ganz und gar nicht der Typ der sich mit irgendwas, egal was, zufriedengibt. Ich werde schnell wütend, bin manchmal zu grob und kann nie stillsitzen. Ich wäre gerne wie meine Großmutter. Gutmütig, voller Geduld und großzügig.

 

Nun. Ich bin es nicht.

 

Dennoch scheine ich in meinem kurzen Leben schon eine solch prägende Wandlung vollzogen zu haben, dass weder nicht vorhandenes Geld, noch der Tod, noch eine unsichere Zukunft mich ernsthaft aus der Bahn werfen können. Und wenn man mich nun fragen würde, ab wann ich angefangen habe zufrieden zu sein, ab wann ich endlich begriffen habe, dass ein Rückschlag nicht das Ende und Angst kein Grund zum Aufgeben ist, dann würde meine Antwort wohl lauten: seit ich schreibe.

 

Als Autorin kann ich es mir erlauben in ferne Welten zu fliehen, mich völlig in meine selbsterdachten Universen zurückziehen. Ich setze mir eigene Ziele und wachse Tag für Tag über mich hinaus. Jeder noch so kleine Erfolg, jedes Feedback von einem zufriedenen Leser und jedes neue Buch sorgen für neuen Auftrieb, für mehr Power, um all meine Vorhaben umzusetzen. Noch vor fünf Jahren sah das ganz anders aus. In dieser Zeit hockte ich jeden Abend traurig auf dem Sofa, zog mir eine Gilmore Girls Folge nach der anderen rein und verfluchte mein Dasein. Ich arbeitete 45 Stunden die Woche in der Agentur, hatte keinen Elan, keine Perspektive und mir war wirklich alles egal. Und ich meine wirklich alles! Ich zog mich immer mehr zurück, hatte keine Freunde, denn ich wollte auch keine mehr haben. Ich inhalierte becherweise Schoko-Karamell-Eis und gab mein Geld wahllos für allen möglichen Unsinn aus. Ich wollte Glück kaufen und Glück essen. Wollte es mir ergaunern, doch so funktioniert das nicht.

 

Heute, viele Jahre und sehr viel Arbeit und Risiko später, weiß ich es besser. Wenn ich heute krank werde, dann erhalte hundert Genesungswünsche und jeder Einzelne ist ernst gemeint. Wenn eines meiner Bücher in den Top 100 landet, dann feiern so viele Freunde, Leser, Kollegen und die ganze Familie mit mir. Ich arbeite nun 60 statt 45 Stunden und bekomme wesentlich weniger Geld dafür, aber egal ist mir jetzt gar nichts mehr. Wenn ich heute die Gilmore Girls schaue, dann nur, weil ich es mir erlaube, einmal 30 Minuten Pause zu machen, denn heute bestehen meine Tage aus mehr als unerfüllten Träumen und lästigen Pflichten.

 

Seit ich schreibe, lebe ich wieder.

 

Vermutlich kann man dies auf so ziemlich jeden Beruf übertragen. Für mich persönlich ist es wichtig, etwas zu hinterlassen. Ich mag den Gedanken, dass von mir auch noch etwas bleibt, wenn ich und alle, die mir lieb sind einmal nicht mehr da sein sollten. Dass ein Teil von mir erhalten bleibt, selbst wenn es mich schon ewig nicht mehr gibt. Doch es gibt unzählige Wege seine ganz persönliche Zufriedenheit zu finden. Ob nun durch den Beruf, ein besonderes Hobby oder andere Menschen. Wichtig ist wohl nur, dass man gegen all die negativen, lästigen und blockierenden Gefühle ankämpft. Dass man keine Angst davor hat, auch mal ein kleines Risiko einzugehen und bereit ist, sich seine Fehler einzugestehen und an ihnen zu wachsen.

 

Über all diese Dinge habe ich mir Gedanken gemacht, bevor ich mich an diesen Beitrag gesetzt habe. Und schlussendlich bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass es kaum verwunderlich ist, dass man mir mein Glück an der Nasenspitze ansieht. Denn wenn man es genauer betrachtet, wäre es wohl eher seltsam, wenn man es mir nicht ansähe.

 

Laura Newman

Laura Newman wurde 1983 in Berlin geboren und schrieb bereits als Kind gerne bunte, spannende und fantasievolle Geschichten. Im Laufe ihres Lebens beschäftigte sie sich mit Videoschnitt, Fotografie Mode- und Grafikdesign bis sie schließlich den Beruf des Mediengestalters erlernte und diese Tätigkeit etwa 10 Jahre lang ausübte. 2013 ließ sie ihre Leidenschaft zum Schreiben erneut aufleben und veröffentlichte ihren ersten Roman.

 

Another Day In Paradise Coherent Jonah Nachtsonne Flucht ins Feuerland Nachtsonne Der Weg des Widerstandes Nachtsonne Im Zeichen der Zukunft

 


 

Vielen Dank, Laura, für diesen wunderbaren Text, in dem auch ich mich finden konnte.

 

Wie viel Wahrheit doch in diesem Text steckt. Ich glaube, wenn viel mehr Menschen das tun würden bzw. den Beruf ausüben würden, den sie wirklich ausüben wollen, machen würden, was ihnen Spaß macht, dann wäre die Welt ein deutlich friedlicherer Ort. Leider schafft es nicht jeder, dies auch umzusetzen, sei es aus welchen Gründen auch immer, daher ist es umso wichtiger die Gelegenheit beim Schopf zu packen, wenn sie sich ergibt. Ich bin froh, dass du glücklich bist, Laura.

Seid ihr glücklich?
Macht ihr was euch glücklich macht? Beruflich und Privat?

10 Kommentare

  1. Hallo Lotta,
    eine tolle Aktion und ein wunderbarer Beitrag von der lieben Laura! Der Text ist echt großartig geschrieben und enthält so viel Wahrheit.
    Leider muss ich zugeben, dass ich noch kein Buch von Laura gelesen habe, obwohl diese seit Ewigkeiten (wirklich seit Ewigkeiten!) auf meiner Wunschliste stehen 😀 Nach diesem Beitrag werde ich wohl erst recht nicht drumherum kommen, also danke! 🙂

    Liebe Grüße,
    Noemi

  2. Wieder mal ein echt toller Beitrag und eine schöne Perspektive auf das Thema Glück 🙂
    viele Grüße
    Emma

  3. Oh, ein sehr toller Text! Erstmal muss ich auch etwas Lob dalassen. Ich finde die Idee wirklich schön!

    Also ich glaube das Problem liegt einfach darin, dass es gar nicht möglich ist IMMER und JEDEM das Glück so zu erfüllen, dass man im Beruf immer das macht, was man unbedingt machen möchte. Viele sind da einfach etwas im Vorteil, zum Beispiel, durch ein Studium oder die sozialen Gegebenheiten. Ich meine, wenn man unbedingt Geld verdienen muss, man aber lieber etwas machen würde, das einem Spaß macht, dann wird es wohl nicht immer klappen. Ich denke, Berufe, die zum "Wohle" der Gesellschaft sind, oder die einfach notwendig sind, wie Müllmann sein (vielleicht machen die Leute das ja gerne, aber vielleicht verstehen manche den Punkt : D) sind halt nicht immer spaßig und die Erfüllung und das Glück der Träume. Manche haben halt einfach das Privileg dazu, sich dafür überhaupt entscheiden zu können.

    Den Gedanken, dass man etwas Schaffen möchte, das bleibt, kenn ich nur zu gut. Ich habe auch immer so gedacht, BIS ich tatsächlich "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" gelesen habe. Das was Augustus dort darüber sagt, hat mich so gepackt, dass es mir nun gar nicht mehr wichtig ist, ob ich der "Nachwelt etwas hinterlasse". Ich möchte einfach das Glück, das ich besitze, also meine Familie bei mir zu haben und gesund zu sein, genießen. : )

    Liebe Grüße,
    Karin

  4. Hach, wie schön. 🙂 Ich mag diese Rubrik immens und hoffe sehr, dass du da niemals mit aufhörst! Bin immer schon gespannt, wer wohl als nächstes zu Wort kommen wird. 🙂
    Mal wieder ein toller Beitrag. Besonders der Satz "Seit ich schreibe, lebe ich wieder." hat sich irgendwie in meinem Kopf festgesetzt.

    Ob ich glücklich bin? Hm. Ich würde sagen mal mehr, mal weniger. Eigentlich mache ich beruflich nicht das, was ich immer machen wollte, aber dafür habe ich ja jetzt meinen Blog. (Ich wollte schon immer schreiben und entweder Journalistin, oder Autorin werden.) Letztendlich macht mich mein Job aber auch glücklich. Ja, ich gebe es zu: Nicht immer. 😉 Ansonsten kann ich mich schon glücklich schätzen und ich bin es auch. 🙂
    Bist du denn auch glücklich, liebe Lotta?

  5. Hey Laura und Lotta 🙂

    so ein toller Beitrag mit so viel Wahrheit darin! Mir ist es auch wichtiger Spaß zu haben, als das große Geld zu verdienen. Ich bin noch nicht ganz glücklich, aber ich arbeite dran. 😉

    Liebe Grüße,
    Tati

  6. Hallo liebe Tati,
    ich freu mich, dass dir der Beitrag gefallen hat. Vielleicht ist es ja auch ein bisschen die richtige Motivation für deine Blogpause. Ich hoffe, dass es bei dir auch so kommen wird. 😀 Ich freue mich schon jetzt darauf. :*

    Liebst, Lotta

  7. Liebe Emma,
    vielen Dank, ich werde es an die Autorin ausrichten.
    Ich bin wirklich froh, dass die Beiträge so gut ankommen. 😀

    Liebst, Lotta

  8. Hallöchen liebe Noemi,
    noch kein Buch von Laura gelesen? :O Also das gibt ja nicht. Mein liebstes Lieblingsbuch von ihr ist ja "Jonah" das ist wirklich … unvergleichlich, aber auch die anderen sind sehr gelungen. 😉 Du solltest unbedingt mal eines lesen. 🙂

    Ich hoffe, dass du auch glücklich bist. 🙂

    Liebst, Lotta

  9. Liebe Karin,
    ich freue mich sehr, dass dir meine Idee gefallen hat Autoren zu Wort kommen zu lassen. Ich bin, ehrlich gesagt, selber ganz begeistert, was bisher schon dabei herausgekommen ist. 😀

    Ich verstehe vollkommen was du meinst und du hast natürlich vollkommen recht, aber es ist doch wichtig nach seinem eigenen Glück zu streben und alles dafür zu tun, um sich dieses auch zu erfüllen, oder?

    Ich weiß nicht, ob ich der Welt unbedingt was überlassen will, wenn ich nicht mehr bin, eine Spur hinterlassen muss.. ich glaube ich will eher jetzt sein und jetzt machen, .. was bringt es mir jemand zu sein oder etwas zu hinterlassen dass die Menschen an mich erinnert, wenn ich doch nicht mehr bin? Ich weiß es nicht. Irgendwie ein sehr philosophisches Thema.

    Liebst, Lotta

  10. Liebste Kitty,
    wow, niemals ist eine lange Zeit 😀 Ich hoffe, dass sich dann auch so viele Autoren finden, die immer etwas schreiben wollen, dass ich hier veröffentlichen kann. Ich meine – an mir solls nicht liegen! 😀

    Ich denke, dass es uns allen so geht, dass wir mal mehr und mal weniger glücklich sind. Das liegt ja irgendwie in der Natur der Dinge.
    Ich habe dein Kommentar sehr lange vor mir hergeschoben, weil ich mich nicht mit der Frage auseinandersetzen wollte, ob ich glücklich bin und eben habe ich ganz kurz darüber nachgedacht und scheiße ja. Natürlich bin ich glücklich und wie! Ich habe einen Mann den ich abgöttisch liebe und der mich auch liebt, einen Hund, der mein ein und alles ist, eine Familie, die zu mir steht egal was passiert. Ich werde Buchhändlerin und ich habe eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung. Ganz ehrlich, was will ich mehr? Ich habe die Möglichkeit zu reisen und spannende Dinge zu erleben und ich führe meinen Blog mit viel Freude und Herzblut. Ich liebe alles was damit zusammenhängt. Ja, ich kann ganz deutlich sagen: Ich bin glücklich. Irre.

    Danke, dass du mich gefragt hast.

    Liebst, Lotta

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