Bibliophile Gedanken

Begeisterung sieht anders aus

Was ist nur los mit der Welt der Bücher?

Anfang des Jahres habe ich mit meiner besten Freundin die Abmachung getroffen, dass sie jeden Monat ein Buch liest, weil sie festgestellt hat, dass sie viel zu wenig liest. Letzte Woche frage ich sie, ob sie diesem Monat schon ein Buch gelesen hat und ihre Antwort war: „Nein, die enttäuschen mich nur.“ Und irgendwie hat sie recht. In letzter Zeit werde ich immer und immer wieder enttäuscht.


 

Gerade heute war ich bei Thalia und hatte die feste Absicht mir ein neues Buch zu kaufen. Dieses gute Gefühl Geld für Bücher auszugeben, das wollte ich endlich wieder haben. Ich habe den Freund zur Arbeit gebracht und wollte dann nur ein wenig stöbern bevor ich mich dann ins Café setze. Um elf Uhr waren wir da. Um halb eins bin ich gegangen. Frustriert. Ohne Buch.

 

Liegt es an mir oder liegt es an den Büchern zur Zeit?

Das Problem ist, dass ich selbst nicht so genau weiß, was ich eigentlich möchte. Einen Liebesroman oder eine gute Dystopie, einen richtig mitreißenden Thriller eigentlich wäre mir alles recht, aber es muss mich von Anfang an packen und zur Zeit will es einfach nicht. Selbst Autoren und Autorinnen auf die ich mich immer verlassen konnte, können mich momentan nicht abholen. Heute war ich ganz heiß auf das neue Buch von Petra Hülsmann und als ich es dann in der Hand hatte, war ich doch nicht sicher, ob es wirklich das ist, was ich jetzt haben möchte. Also ist es auf den Tisch zurück gewandert. Ebenso wie das neue Buch von Paula Hawkins, die mich mit „Girl on the Train“ damals wirklich begeistern konnte.

 

Was hat mich denn als Letztes richtig vom Hocker gerissen?

 
Begeisterung sieht anders aus
 

Eindeutig „Ragdoll“ von Daniel Cole. Das Buch habe ich zufällig am mediacampus frankfurt entdeckt, als ich meinen letzten Block hatte und habe einfach drauf losgelesen. Meiner Meinung einer der besten Thriller, die ich jemals gelesen habe. Der Autor besitzt eine solche Wortgewalt, die vor meinem inneren Auge düstere Bilder hervorgerufen hat. Die Geschichte ist durchweg mit Spannung unterlegt, so als würde die ganze Zeit die Hintergrundmusik im Film darauf hindeuten, dass gleich etwas passiert. Ich war beim Lesen immer in Anspannung und Erwartung, was wohl als Nächstes passieren wird. Charaktere und Handlung fügen sich ineinander, wie ein wunderschönes Puzzle. Ich wollte nicht nur wissen, wer der Mörder war, sondern auch, was bei den anderen Charakteren passiert, wie er oder sie reagiert und wer hier ein falsches Spiel spielt. Die Idee hinter der Geschichte war für mich mal wieder etwas komplett Neues und ich bin froh, das dies wieder eine Reihe wird. So habe ich Hoffnung, dass mich bald mal wieder ein Buch so richtig begeistern kann.

 

Liebst, Lotta

14 Kommentare

  1. Liegt es daran, dass wir so viel lesen? Dass alles irgendwie „schonmal da war“? Dass wir als Blogger vielleicht die Kritikerbrille nicht mehr losbekommen? Dass wir plötzlich so bewusst auf Inhalte und Problamtiken sehen, dass wir uns das Lesen schwer machen?

    Mir geht es genauso. Mich hat so lange nichts mehr vom Hocker gerissen. Oder auch aufgeregt. Mehr als ein laues Schulterzucken bekomme ich gerade für kein Buch mehr zustande.

    • Liebe Heike,
      Ich glaube auch, dass es ein bisschen so ist wie du schon sagst, wir lesen vielleicht alles ein bisschen zu kritisch und können nicht mehr wirklich einfach nur abschalten und lesen. Irgendwie schade, aber ich versuche jetzt auch immer mal wieder ein Buch einzuschieben, bei dem ich nicht vor habe eine Rezension zu schreiben. Vielleicht ließt es sich dann ganz anders? Ich werde es mal ausprobieren. Und wenn es klappt sage ich dir auf jeden Fall Bescheid. 😉

      Liebst, Lotta

  2. Hallo Lotta,
    ich habe auch immer wieder Phasen, in denen ich eine Hand voll schlechte Bücher erwische. Wobei ich da meistens noch unterscheide zwischen „schlechtem Buch“ und „Buch, das eigentlich gut ist, das ich aber zur falschen Zeit gelesen habe“. In die erste Kategorie passen zum Glück nicht viele Bücher. Bei den meisten gelesenen Exemplaren kann ich mir doch vorstellen, dass sie den ein oder anderen Leser fesseln können.
    Hast du schon mal überlegt in kleinere Buchläden zu gehen? Vielleicht sind hier ja ein paar verborgene Schätze zu finden.
    viele Grüße
    Emma

    • Liebe Emma,
      ich glaube schon, dass es für jedes Buch den passenden Leser gibt, aber momentan gibt es anscheinend einfach kein passendes Buch für mich. Es ist so unglaublich ärgerlich, dass es mich fast schon wütend macht. Das Witzige ist, dass die Filiale in der ich gerade arbeite schon recht klein ist und ich tatsächlich sofort ein Buch gefunden habe, dass ich unbedingt lesen möchte. „Sieben Minuten nach Mitternacht“ falls dir das was sagt. 🙂

      Liebst, Lotta

  3. Ich habe die gleichen Gedanken wie Heike, sind wir einfach übesättigt? Oder liegt es doch an den Büchern?
    Mir geht es bei manchen Autoren wie Dir: sonst immer verschlungen, jetzt eher gelangweilt.
    Liegt es vielleicht auch an der Massenproduktion? Daß Autoren in kürzester Zeit Folgebände produzieren müssen?
    Woran es auch immer liegt, ich wünsche uns allen, daß wir schnell wieder ein Buch in der Hand halten können, das uns fesselt. Ich habe jedenfalls gestern einen guten Griff getan und „Die Fettlöserin“ vom SuB befreit und seitdem kaum aus der Hand gelegt 😉

    Liebe Grüße
    Kerstin

    • Liebe Kerstin,
      Es freut mich für dich, dass du endlich wieder ein Buch hast, dass dich begeistern kann. Ich habe tatsächlich auch einen Glücksgriff gelandet, denn seit kurzem lese ich ein Leseexemplar aus dem Knaur Verlag, dass mich wirklich total mitreißen kann, ich bin sehr gespannt wie es weiter geht, deswegen muss ich auch dringend gleich mal noch ein Kapitel lesen. 😀
      Ich denke auch, dass es manchen Autoren vielleicht gut tun würde auch mal eine Pause einzulegen und nicht ein Buch nach dem anderen herauszupfeffern, aber irgendwo ist es bei manchen eben auch der Brotjob. Es kommen sicher auch wieder bessere Zeiten. 😉

      Bis dahin, Kopf über Wasser halten!

      Liebst, Lotta

  4. Hey Lotta, ich wollte jetzt relativ das gleiche sagen, wie Heike es schon gemacht hat. Ich habe in letzter Zeit auch immer wieder das Gefühl bei Büchern (vor allem in meinem Lieblings Genre New Adult :D), dass alles gleich ist, dass alles schon mal da war und dann bin ich meist auch eher gelangweilt.
    Ich meine, für die Rezensionen muss man ja schon kritisch sein und wirklich sagen können, was einem an dem Buch nicht gefallen hat, aber ich habe schon lange mal vor, diesen Gedanken „ich muss zu dem Buch später meine Meinung kund tun“ los zu lassen und einfach ohne Hintergedanken wieder ein Buch zu lesen, ich glaube, da werde ich nicht mehr so schnell enttäuscht 🙂
    Warum das deine Freundin denkt, die ja eher weniger liest, ist in meiner Erklärung natürlich nicht beantwortet 😀 Aber das hat meine beste Freundin auch, die hört einfach auf, das Buch zu lesen, wenn es ihr nicht gefällt. Ich lese weiter und schreibe dann ne enttäuschte Rezension dazu 😀

    Liebst, Lara.

    • Liebe Lara,
      vermutlich kann ich deswegen auch nur noch ganz schlecht Thriller lesen. Früher habe ich die wirklich nur gelesen, aber mittlerweile komme ich da einfach nicht mehr drauf klar. Irgendwie klingt das immer alles gleich. Trotzdem probiere ich es manchmal und in manchen Fällen, so wie bei „Ragdoll“ werde ich dann überrascht. Ich würde auch gerne mal wieder eine richtig gute Dystopie lesen, da hat mir der Freund auch schon eine empfohlen, die ich mir demnächst mal zu Gemüte führen werde. 🙂 Mal sehen, ob das etwas für mich ist.
      Ja, vielleicht müssen wir einfach mal wieder lernen mehr loszulassen beim Lesen und einfach nur zu genießen und nicht gleich im Kopf alles zu bewerten.

      Liebst, Lotta

  5. Hallöchen liebe Lotta,
    ich kenne das Gefühl leider nur zu gut. Gerade in letzter Zeit lese ich viele Bücher, die viel Potenzial hätten, mich zu begeistern. Und von denen ich weiß, dass sie mich eigentlich begeistern sollten, aber diese Begeisterung stellt sich einfach nicht ein.

    Ich glaube, es liegt daran, dass ich momentan zu viel lese. Ich verschlinge ein Buch nach dem anderen. Zum einen für Rezensionen auf meinem Blog, zum anderen wegen der Arbeit. Immerhin braucht man da was zu empfehlen. Ich glaub, dass man Bücher nicht mehr genießen kann, wenn man sie wie am Laufband verschlingt.
    Eine richtige Lösung habe ich dafür aber leider auch nicht.

    Liebste Grüße
    Kate ♥

    • Hallöchen meine Liebe Kate,
      Ich habe das auch schon im Verdacht gehabt, aber ich muss gestehen, dass ich zur Zeit gar nicht so viel zum Lesen gekommen bin. Na gut, ich habe halt auch vorher schon immer viel gelesen und vielleicht bin ich einfach mit den falschen Erwartungen an die Bücher herangegangen. Ich lese jetzt zumindest gerade mal wieder eines, was mich wirklich begeistern kann und worüber ich mich sehr freue. Wenn du das Leseexemplar in die Finger bekommst, rate ich dir: lies es! „Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ von Stephanie Butland. Das erscheint im Okotber bei Knaur und ist bisher so so gut.

      Liebst, Lotta

      • Hallöchen liebste Lotta,
        dass man mit falschen Erwartungen rangeht, passiert mir leider auch zu oft.
        Das Leseexemplar ist letztens tatsächlich bei uns eingetrudelt. Da musste ich auch direkt an deinen Beitrag denken. Das Cover ist ja auch sehr hübsch. Mich hat aber ehrlich gesagt dieser Teil mit den Gedichten im Klappentext abgeschreckt, weil das so gar nicht meins ist.
        Spielt das denn wirklich so eine große Rolle?

        Liebste Grüße ♥

  6. Hallo Lotta,

    ich habe auch festgestellt, dass ich angefangen habe, anders zu lesen, als ich den Blog gestartet habe. Davon musste ich mich tatsächlich frei machen. Zwar schon beim Lesen Notizen machen, weil mein Gedächtnis schlecht ist, aber sich den Lesespaß nicht verderben lassen, das ist manchmal ein Balanceakt.

    Das war Punkt 1, Punkt 2 ist, dass es vielleicht auch an den Filialen selbst liegt, dass du im Moment nichts findest. Ich lese viel von Autoren, die in Eigenregie verlegen (http://buchvogel.blogspot.de/search/label/Indi-Autor), und ich muss sagen, dass mir im Schnitt die Bücher der Indi-Autoren besser gefallen wie die Bücher, die von einem Verlag kommen.
    Das Vorurteil ist ja, dass in einem Verlag mehr Sorgfalt herrscht, dass bei Indi-Autoren die Qualität nicht stämme usw. Aber ich hab genau das Gegenteil festgestellt: die Indi-Autoren legen soviel Herzblut und Sorgfalt in die Geschichten und nicht nur das, oft sind die Geschichten einfach frischer, anders, nicht so am Massengeschmack orientiert.

    Grüße
    Daniela

  7. Sehr interessante Gedanken, auch in den Kommentaren. Ich habe mir schon oft nach dem Lesen eines guten Buches gedacht: „das ist DAS Buch“ bzw. „das ist DIE Geschichte“. Wenn mich etwas restlos überzeugt und begeistert, denke ich immer wieder, dass da nichts mehr kommen kann. Das ist so wie mit neuer Musik – man glaubt, es gäbe danach kein neueres Genre mehr.
    Wir Bücherliebhaber müssen unseren inneren Kritiker aber keinesfalls verstecken oder dämmen, denn bei den wachsenden Neuangeboten, die auch immer häufiger aus den ambitionierten Selfpublisher-Ecken kommen, gleichzeitig aber auch oft durch reichweitenstarke Nicht-Autoren, die von Verlagen zu Autoren gemacht werden, ist kritisches Lesen immer wichtiger. Die wahren Schätze zu finden in der Fülle vom Überangebot der Produkt-Verkaufenden ist schwierig, aber lohnenswert, wenn man es dann mal schafft.
    Ich lese überwiegend Sachbücher und werde dabei selten enttäuscht. Romane kommen mir tatsächlich fast nur durch direkte Empfehlung auf den Tisch, und so werde ich auch da nicht enttäuscht. Da bin ich doch froh, dass es Buchblogger gibt <3

  8. Leider weiß ich ganz genau, was Du meinst. Mir geht es zeitweise auch so. Und momentan stehen auf meiner Wunschliste vor allem Bücher, die schon das eine oder andere Jährchen auf dem Buckel haben.
    Die Neuerscheinungen sprechen mich momentan irgendwie nur bedingt an. Da diese aber zumeist in den Buchläden ausliegen, spricht mich beim Stöbern so gar nichts an.
    Ehrlich gesagt weiß ich auch gar nicht, woran das liegt. Denn dann hätte ich vielleicht schon Schritte unternommen, um dem entgegenzuwirken.

    Allerdings habe ich diese Woche eine Beobachtung an mir selbst festgestellt, die ich nun dringend mal näher beachten werde. Ich war mit einer Freundin im Buchladen, da sie nächste Woche in den Urlaub fliegt und von mir noch den einen oder anderen Tipp für Lektüre wollte. Und ich konnte ihr da auch ein wenig helfen. Letztendlich hat sie mich aber vielmehr aufmerksam gemacht, denn ich greife immer wieder zu den gleichen Autoren und nehme solche, die ich noch nicht kenne teilweise gar nicht wahr. Es war wie ein Tunnelblick. Nachdem sie mir ein paar empfohlen hat, waren da tatsächlich ein paar Werke, die mein Interesse wecken konnten. Daher habe ich mir vorgenommen, meinen Horizont mal bewusst etwas zu erweitern. Vielleicht hilft das…

    Alles Liebe, Nelly

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