Rezension

Chevy Stevens: Those Girls

Those Girls

Eine Zeitlang war Mom echt glücklich – wir alle waren es. Dad blieb trocken – bis zu der Nacht, in der wir erfuhren, dass sie tot war. Manchmal denke ich daran, wie traurig sie darüber wäre, wie es uns seitdem ergangen war, und wie sauer sie auf Dad sein würde.

Über das Buch
Fischer Verlag | 464 Seiten | erschienen: 06/2016 | Originaltitel: Those Girls  
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Die Schwestern Jess, Courtney und Dani sind 14, 16 und 17 und leben auf einer rauen Farm in Kanada. Als ein Streit mit ihrem gewalttätigen Vater aus dem Ruder läuft, müssen sie fliehen. Doch ihr Pick-up bleibt in einem abgelegenen Dorf liegen, und bald finden sie sich in einem noch furchtbareren Albtraum wieder – wird er jemals enden?


 

Meine Meinung

Drei Mädchen wie sie verschiedener nicht sein könnten

Gleich zu Beginn der Geschichte wird einem klar, dass die drei Schwestern vollkommen unterschiedlich sind. Dani ist die Älteste und übernimmt somit die Verantwortung, wenn ihr Vater nicht Zuhause ist. Sie ist die Vernünftige und auch diejenige, die Entscheidungen trifft. Courtney ist die mittlere Schwester. Sie ist wild und ungestüm, sie lässt sich nichts vorschreiben und sie hat, zumindest nach außen hin vor nichts und niemandem Angst. Und dann ist da noch Jamie, die Jüngste. Sie ist unbeholfen und benimmt sich genau so, wie man es von einem jüngsten Geschwisterteil erwartet. Jamie ist die Ich-Erzählerin der Geschichte und mir persönlich war sie am sympathischsten. Eines haben die Mädchen gemeinsam, nämlichen ihren brutalen jähzornigen Vater. Auch mit diesem Thema gehen alle drei unterschiedlich um und es ist spannend zu lesen, wie sich ihr Verhalten auf einander auswirkt.

Vom Regen in die Traufe

Der Vater der drei Mädchen ist immer wochenlang nicht Zuhause, aber damit haben sie kein Problem. Das Problem taucht erst auf, wenn sie wissen, dass er bald wieder da sein wird. Es geht eine nervöse Spannung von den Dreien aus, auch von Courtney, auch wenn sie so tut, als würde sie das alles kalt lassen. Diese Anspannung hat sich auf mich beim Lesen übertragen. So ein Gefühl, dass man etwas falsch gemacht und hat und man genau weiß, dass gleich das große Donnerwetter folgen wird. Eines Abends kommt ihr Vater dann nach Hause und selbst es zu lesen fiel mir schwer. Sogar ich hatte irgendwie Angst vor ihm. Die Situation eskaliert und die Mädchen beschließen abzuhauen. Als Leser ahnt man natürlich schon, dass das nicht gut gehen kann, dass irgendetwas passieren muss. Es kommt wie es kommen muss, die Drei begeben sich unwissentlich und durch einen dummen Zufall in absolut unschöne Umstände.

Die Spannung ist zum Greifen nah

Immer wieder hatte ich beim Lesen das Gefühl von unterschwelliger Anspannung. Ich las in Hab-Acht-Stellung und lauerte nur darauf, dass gleich wieder etwas Schreckliches passieren würde. Manchmal hatte ich recht und manchmal lag ich falsch, aber genau das hat den Reiz dieser Geschichte ausgemacht. Ich konnte nie vorhersagen, was als Nächstes passieren würde, wie Jamie oder ihre Schwestern in einer bestimmten Situation entscheiden würden und welche Folgen sich daraus ergeben werden. Als ich diesen Thriller gelesen habe, habe ich grundsätzlich in allen Charakteren das Schlechte gesehen. Bei jeder neuen Bekanntschaft, die eine der Drei machte, hatte ich sofort ein grausames Bild vor Augen und hoffte, dass ihnen nichts geschehen würde.

Wir sollten uns aufteilen.“ – Nein, solltet ihr lieber nicht.

Kennt ihr diese Horrorfilme, wo ein Mädchen alleine in einen dunklen Keller geht und man möchte als Zuschauer einfach nur in den Fernseher greifen und sie aufhalten? In solchen Momenten sitze ich vor dem Fernseher und rufe laut: „Tu’s nicht!“ Leider machen sie es trotzdem – immer. Und genauso ging es mir auch bei diesem Buch. Immer wieder gab es Stellen im Verlauf, bei denen ich die Charaktere schütteln wollte, „Lauf schneller“, schreien wollte oder sie warnen wollte. Es gab Momente, da dachte ich bei mir, dass der Charakter so blöd doch nun wirklich nicht sein kann. Die Anspannung ließ mich keine Sekunde los.

Ende gut, alles gut?

Nun, vielleicht nicht alles gut, aber genau das ist auch gut so. Die Gestaltung des Endes hat mir sehr gut gefallen, weil im starken Kontrast zum Rest des Buches stand. Es war unaufgeregt und sogar ein bisschen liebevoll. So wie es geendet hat, war es genau passend, alles andere hätte wahrscheinlich abgedroschen gewirkt.

Spoiler

Fazit
Leseempfehlung

Chevy Stevens hat mit „Those Girls“ einen Thriller geschaffen, der mich begeistern konnte. Von der ersten Seite an hat die Autorin mich in Anspannung versetzt, die sich erst wieder gelöst hat, als ich das Buch beendet beiseite gelegt habe. Durch den Ich-Erzähler sind die drei Schwestern mir beim Lesen sehr nah gewesen. Ich denke, dass dieses Buch Thrillerfans begeistern kann und zwar vor allem diejenigen, die es nicht ganz so blutig haben müssen. Zwar geht es in „Those Girls“ auch heiß her, aber Chevy Stevens verzichtet, zum Glück, auf ausscheifende Erläuterung von Schrecklichkeiten.

Lest ihr lieber blutige Metzelthriller oder un/blutige Psychothriller? Und warum?

Eine weitere Meinung zum Buch findet ihr hier: Buchsichten

14 Kommentare

  1. Hallo Lotta,

    wow, was für eine tolle und überzeugende Rezi! Ich glaube, jetzt werde ich das Buch wirklich auf meine Wunschliste packen. 🙂 Ich habe nur noch auf die eine überzeugende Rezension gewartet. 😉

    Ganz liebe Grüße
    Steffi

    • Liebe Steffi,
      ich freue mich, dass ich dich mit meiner Rezension überzeugen konnte. Ich bin mir bei dem Stil immernoch nicht sicher, ob es gut bei den Leuten ankommt, was ich rüberbringen will. Ich wünsche dir viel Spaß mit dem Buch. 😀

      Liebst, Lotta

  2. Hey Herzblatt,

    du weißt ja: ich bin eigentlich keine Thriller-Tante, aber deine Rezi ist echt wow! Ich hab richtig Lust auf diese scheinbar mega spannende Story. Mich gruselt es zwar jetzt schon, aber ich werde Those Girls sofort auf meine Wunschliste setzen. Danke für diese echt überzeugende Rezi!

    Liebste Grüße
    deine Evi

    • Oha, ich habe Evi von einem Thriller überzeugt.
      Ich glaube ich mache mal eben drei rote Kreuze im Kalender machen. 😀 Verrückt.
      Aber ja, ich denke, dass es dir gefallen könnte. Es ist natürlich nicht ganz ohne, aber es ist auch nicht so hart wie ein Fitzek. Und wie gesagt, Chevy Stevens verzichtet darauf die Gräultaten in allen Einzelheiten zu beschreiben. Dadurch ist natürlich auch viel Platz für Fantasie. 😉
      Ich glaube ich schreibe nur noch solche Rezensionen, wenn ich sogar dich von dem Buch überzeugen konnte. 😉

      Liebst, Lotta

      • Hihi, du bist süß. Aber ohne Mist: Du hast mich echt angefixt!
        Wobei dein „Es ist nicht ohne“ mir schon wieder ein bisschen Angst macht. Aber wenn es kein Stieg Larsson/ Fitzek Niveau (im Sinne von blutig, gruslig) ist, werde ich mich dran wagen 🙂

        Danke fürs neugierig machen, mein Herzblatt!

        Liebste Grüße
        deine Evi

        • Oh Gott nein. 😀 So schlimm wie Fitzek ist das lange nicht. Das spart sie immer sehr gut aus.
          Ich bin jetzt schon ein bisschen sehr gespannt wie es dir gefällt. Lass es schnell bei dir einziehen und lies es, denn ich bin jetzt verflixt neugierig. 😀
          Und weißt du, es gibt fast nix, was ich lieber tue. 😉

          Liebst, deine Lotta

  3. Hallöchen meine Allerliebste,
    das Buch steht natürlich seit Erscheinen auf meinem Wunschzettel, da ich die Autorin einfach wirklich gerne mag. Sie schreibt eigentlich genau die Bücher, auf die ich so stehe ( auch wenn du solche wahnwitzigen Gerüchte streust, ich würde weich werden….tssss…).
    Ich bin auf jeden Fall erleichtert, dass das Buch von dir eine Leseempfehlung bekommen hat. Auch wenn wir nicht immer in unseren Meinungen übereinstimmen (hat man beim Institut der letzten Wünsche ja mal wieder gesehen), lege ich doch immer Wert auf deine Meinung. Wenn du jetzt gar nicht begeistert gewesen wärst, wäre mir wohl auch ein wenig die Lust auf das Buch flöten gegangen. Daher: große Erleichterung 😀

    Alles Liebe, Nelly

    • Ach Ellen, du weiches Ding du!
      Bist du sicher, dass du den Thriller überhaupt noch verträgst? 😉 Haha. Ein Scherz. :*
      Es gab von Chevy Stevens auch schon ein Buch, dass mich gar nicht mitreißen konnte, das hatte ich damals als Hörbuch gehört und war absolut nicht angetan, aber ich habe ihr nochmal eine Chance gegeben, weil das doch jedem Autor mal so gehen kann, oder? Denke ich zumindest. Ich werte es mal aus „Ausrutscher“. 😉
      Mir geht es genau wie dir. Wenn jemand den ich mag etwas schlechtes zu einem Buch zu sagen hat, bin ich erstmal grundsätzlich abgeneigt es zu lesen. ^^

      Liebst, Lotta

  4. So, heute hab ich dann ma die Zeit, deine Kritik zu dem Cover-Schock durchzulesen 😉

    Ich habe Chevy Stevens vor Jahren zuletzt mit ihrer Nadine Lavoie – Reihe verschlungen und die Bücher haben mir ganz gut gefallen. Glaub ich sollte es nun auch einmal mit einem Einzelband versuchen, auch wenn mich dein Punkt mit den „Wir sollten uns aufteilen“ leeeeeicht die Stirn runzeln lässt. Aber wenn das nur einen kleinen Teil ausmacht, dürft es (für mich) nicht hinderlich sein 🙂

    • Das witzige ist, dass ich diese Reihe von Chevy Stevens gar nicht kenne. Da muss ich gleich mal Nachforschungen anstellen. Ich kannte bisher nur ihre Einzelbände. Das „Wir sollten uns aufteilen“ ist keine Situation aus dem Buch, sondern eher symbolisch gemeint. Die Protagonistinnen begeben sich immer wieder in Situationen, wo ich lauthals „TUS NICHT“ schreien wollte, aber gehört hätten sie mich ja sowieso nicht. ^^ Für mich war das irgendwie nochmal ein besonderer Nervenkitzel. ^^

      Liebst, Lotta

  5. Huhu Lotta!
    Das ist ja mal ein interessantes Buch, das werd ich mir gleich mal notieren. (Obwohl der SuB und die Wunschliste hoch und lang genug wären…). Ich mag Bücher, bei denen man die Gefühle mit in die Realität nimmt. Denn das beweist doch, dass der Autor es mal richtig drauf hat. Wenn ich von meinem Buch innehalten und schauen muss, ob da wirklich niemand ist. Und so weiter…

    Was ich noch zu deinem Kommentar über den Herrn Fitzek bzw. sein Buch sagen wollte:
    Das mag vielleicht sein, dass ‚Passagier 23‘ ein nicht so gutes Buch war. Leider hab ich ja bisher nur das gelesen (und ich war ja, wie du gelesen hattest begeistert), seh das aber so: Sind seine anderen Bücher noch besser, hab ich kein Problem damit. Fitzek hat mich auf jeden Fall mit ‚Passagier 23‘ schon an der Angel gehabt. Und das Megabäämbääm-Ende… ja, da hast du wohl Recht. Jedes andere Ende hätte aber auch die Geschichte irgendwie… nichtig gemacht.
    Ich werd mich auf jeden Fall auf andere Bücher von ihm freuen 🙂 (noch so einer, der meine Wunschliste hochtreibt….)

    Liebe Grüße,
    Linda

    • Liebe Linda,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar! 😀 Ich habe mich sehr gefreut. Ich kenne das zu gut, seitdem ich Buchbloggerin bin wächst und wächst meine Wunschliste ständig ins Unermessliche. (Und seitdem ich meine Ausbildung zur Buchhändlerin mache, hat sich das Ganze nochmal verdoppelt.) Du hast total Recht, es ist das Beste, wenn Bücher dich so mitreißen, dass du nicht mehr unterscheiden kannst/willst zwischen Realität und Buch. Den Tag gab es eine ganz spannende Szene in einem Buch und dann hat jemand im Buch geklopft und ich habe mich so erschrocken, dass ich den Reader weggeschmissen habe. xD
      Oh ja, wenn Passagier23 dein erstes Buch von ihm war, dann kannst du dich auf deine deutliche Steigerung seiner Finesse freuen. War quasi ein Glücksgriff mit diesem Buch zu beginnen, da du noch nicht weißt, wie gut die anderen sind. ^^

      Liebst, Lotta

  6. Liebe Lotta,

    das Buch subt noch bei mir…
    Aber nachdem ich gerade dein Fazit gelesen habe, muss ich es dann wohl ganz bald lesen… 🙂

    Liebe Grüße,
    Ramona

    • Liebe Ramona,
      ich bin sehr gespannt, was deine Meinung zu diesem Buch sein wird. 😀
      Ich fand ja die vorherigen Beiden nicht so gut und war daher sehr positiv überrascht gewesen. 🙂

      Liebst, Lotta

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