Rezension

Emily Trunko:
Ich wollte nur, dass du noch weißt

Letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse hatte ich einen Termin mit dem Loewe Verlag. Dort wurde mir dieses Buch vorgestellt und schon da war ich vollkommen sprachlos und unendlich begeistert. Diese junge Frau hatte eine wirklich großartige Idee Menschen eine Plattform zu geben, das aussprechen zu können, was Ihnen auf der Seele liegt. Von Psychologen kriegt man oft den Rat, man soll einen Brief schreiben an die betreffende Person, auch wenn diese verstorben ist, man keinen Kontakt hat oder man den Brief niemals abgeben wird.

 

Für mich war es jahrelang das Tagebuch Schreiben, was mir geholfen hat und mich immer irgendwie ein bisschen geerdet hat und manchmal würde ich auch heute gerne noch Tagebuch schreiben, aber ich glaube, dafür ist jetzt in gewisser Weise der Blog da. Hier, auf Twitter und auf Instagram teile ich mein Leben, meine Gedanken und alles was mich irgendwie bewegt. Es ist meine eigene Plattform um Dinge loszuwerden und mit anderen darüber zu sprechen. Emily Strunko hat Menschen, die keine eigene Plattform haben ihre angeboten, um über das zu reden, was sie bewegt und das wurde mit großem Zuspruch quittiert.

 
Ich wollte nur, dass du noch weißt
 

Mit Einwilligung der Personen, die die Texte geschrieben haben, wurde aus verschiedensten Einsendungen ein sehr bewegendes Buch gemacht, dass sowohl inhaltlich als auch äußerlich ein echtes Schmuckstück ist. Das Buch ist in verschiedene Kategorien unterteilt, wie zum Beispiel „Liebe“, „Herzschmerz“ und „Familie“ und jede einzelne Seite, jeder einzelne Text hat sein ganz besonderes Design bekommen. Ich finde dadurch wurde den Texten ein bestimmter Charakter verliehen und macht es umso interessanter.

 
Ich wollte nur, dass du noch weißt
 

Ich habe mich dazu entschlossen euch meinen absoluten Lieblingstext hier einmal zu zeigen, weil er mir sehr nah gegangen ist. Dieser Text ist so voller Wortgewalt, dass er mir jedes Mal wieder, wenn ich ihn lese, eine Gänsehaut über den Körper jagt. Beim ersten Lesen dachte ich zuerst an Verzweiflung, aber umso öfter ich ihn gelesen habe, umso mehr habe ich eine Resignation daraus gelesen und das, fand ich fast noch schlimmer, noch herzzerreißender.

 
Ich wollte nur dass, du noch weißt
 

Wie findet ihr die Idee? Und falls ihr das Buch auch schon zu Hause habt, was ist euer Lieblingstext?

Hey, Hey Du .. hör mir mal, hör mir mal zu ..

Ist Blut wirklich dicker als Wasser? Ich bin jetzt 26 Jahre alt, das bedeutet, dass du mich jetzt schon mein halbes Leben lang begleitest. Wir haben uns am Gymnasium kennengelernt und alle haben uns prophezeit, dass Freundschaften nach dem Abitur sowieso nicht halten, weil jeder seinen Weg geht und man sich aus den Augen verliert. Aber wir, wir haben es geschafft nach dem Abitur, volle drei Jahre waren wir noch zusammen in Magdeburg und haben unsere Ausbildungen gemacht. Die Chemielaborantin und die Ergotherapeutin.

 

Dann hat sich mein Leben gedreht, hat sich einmal auf den Kopf gestellt und alles gut durchgeschüttelt, aber du bist geblieben. Du hast mit mir die Sachen gepackt, bist mit mir ins Auto gestiegen und nach Bremen gefahren. In meine neue Wahlheimat. Plötzlich haben uns 300km getrennt und trotzdem konnte es unserer Freundschaft nichts anhaben. Vier Jahre ist das jetzt her, du bist hast mittlerweile deinen Meister und deinen Ausbilderschein gemacht und ich bin fast schon Buchhändlerin.

 

Und nun hat sich mein Leben gedacht, dass es sich mal wieder schütteln könnte, die Bedingungen neu ordnen könnte. Also ziehe ich von Bremen nach Augsburg, einmal quer durch Deutschland und wer wird an meiner Seite sein? Richtig: Du. Das bedeutet, bald trennen uns 535km von einander und doch wird uns im Herzen niemals etwas trennen können. Du bist nicht nur ein Teil von mir, du bist ein Teil meiner Familie. Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft in meinem Leben du der Grund warst, dass ich wieder aufgestanden bin, überhaupt dazu in der Lage war wieder aufzustehen. Es mag abgedroschen klingen, aber es gibt niemanden, der mich so kennt wie du, niemanden, dem ich so vertrauen würde wie dir, niemanden den ich so bedingungslos und von ganzem Herzen liebe. Du sagst mir immer die Wahrheit, auch wenn sie noch so unbequem ist. Du holst mich auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn ich mal wieder einen Höhenflug habe. Du badest mit mir in Selbstmitleid und versorgst mich mit Amarettee, wenn du weißt, dass ich es brauche. Also ganz ehrlich, ich scheiße drauf, mir ist egal ob Blut dicker ist als Wasser. Du bist die Schwester, die ich nie wollte und über die ich froh bin sie zu haben.

 Ich wollte nur, dass du noch weißt

2 Kommentare

  1. Das Buch interessiert mich auch sehr und glaube, dass es für mich sehr emotional werden würde.
    Deine Lieblingsgeschichte ist auch sehr gefühlvoll und hat mir auch sehr gefallen:)

    Liebe Grüße
    Jenny

  2. Huhu liebe Lotta,

    so eine wundervolle und emotionale Buchvorstellung! Vielen lieben Dank dafür. 🙂

    Erst neulich habe ich wieder ein wenig im Buchladen in dem Buch geschmökert. Mein Lieblingsbrief ist ja immer noch: Du wirst immer mein liebstes Was-wäre-wenn sein.

    Dein Brief hat mich gerade sehr gerührt! Vor allem weil ich an meine beste Freundin gedacht habe und ich deinen Brief einfach nur unterschreiben kann.

    Ganz liebe Grüße und dir schonmals ein wunderschönes Wochenende,
    Hannah <3

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