Rezension

Sarah Kuttner: 180 Grad Meer

180 Grad Meer

Liebe oder Hass. Ich habe beides in rauen Mengen in mir. Warum kann das nicht reichen? Warum muss gesprochen und verändert und bemüht werden? Lasst uns nehmen, was wir kriegen können, und einfach gehen, wenn es nicht genug ist. Liebe oder Verachtung. So einfach.

Über das Buch
Fischer Verlag | 272 Seiten / 358 Minuten | erschienen: 12/2015  
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Nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat, ist Jule mit ihrem Bruder und ihrer selbstmordgefährdeten Mutter aufgewachsen. Als Erwachsene hat sie sich einen Alltag geschaffen, in dem sie alles nur noch irgendwie erträgt: ihren Job als Sängerin, die unzähligen Anrufe ihrer Mutter, den ganzen Hass in ihr, der sie fast verschwinden lässt. Als auch ihre Beziehung zu bröckeln beginnt, flieht sie zu ihrem Bruder nach England, auf der Suche nach Ruhe und Anonymität.
Doch dort trifft sie auf ihren Vater, der im Sterben liegt. Zaghaft beginnt Jule einen letzten Versuch, sich dem Mann anzunähern, von dem sie sich ihr Leben lang im Stich gelassen gefühlt hat.


 

Meine Meinung

Ach „180 Grad Meer“ gibt es auf Spotify..

Aus einer Laune heraus (und weil schon sehr viele von diesem Buch geschwärmt hatten, unter anderem meine Ma) habe ich gedacht, dass es doch ganz nett wäre, mal wieder ein Hörbuch zu hören. Also habe ich Spotify durchsucht und bin auf 180 Grad Meer gestoßen. Schon nach der ersten Minute war ich Sarah Kuttner, die das Hörbuch selbst eingelesen hat, vollkommen verfallen. Ich hatte Jule, die Protagonistin so real vor Augen, als würde sie neben mir stehen, als wäre sie meine beste Freundin und noch viel öfter, als wäre ich sie. Jule und ich, wir beide waren ein Dreamteam.

Och Jule.

Wie oft sie das wohl hören durfte? Och Jule. Ja, sie ist nicht wie die anderen. Sie ist eher ein bisschen eigen, vielleicht ein bisschen griesgrämig und gerne mal alleine und vor allem liebt sie das Meer. Wie ich. Ihr Beschreibung, wie das Meer am besten ist, nämlich dann, wenn weder links noch rechts noch nach vorne etwas anderes als Meer zu sehen ist – ja, eben 180 Grad Meer – trifft es einfach so genau. Wenn ich am Meer bin, geht’s mir gut. Und Jule auch.

Warum bist du nur immer so wütend?

Genau diese Frage bekommt Jule in der Geschichte gestellt und ich habe mich sofort gefragt, warum ich eigentlich immer so wütend bin. Wütend auf alles und jeden und das auch schon bei Kleinigkeiten. Immer zu bin ich wütend und kann ganz oft mit den Eigenarten anderer Menschen nicht umgehen. Jule glaubt, dass die Reaktionszeit einfach zu kurz sei, um sich noch zu überlegen, ob der andere es vielleicht gar nicht böse gemeint hat und er nur in Gedanken war. Richtig. Wenn die Schnarchnase vor mir im Auto mit 20 km/h vor mir hinkrebst, dann denke ich nicht darüber nach, wie es der Person vielleicht gerade geht oder ob sie eventuell einen Parkplatz sucht. Ich schiebe erst einmal puren Hass. Aber warum? Warum bist du nur immer so wütend Jule? Ich weiß es nicht.

Wer ist eigentlich Jule und was interessiert sie mich?

Jule ist eine ganz normale junge Frau. Sie ist du und ich und die Nachbarin. Sie lebt ihr Leben, mehr oder weniger zufrieden – anfänglich eher weniger – und ist einfach nur da. Dieses Buch ist wie ein Ausschnitt ihres Lebens, ein Stück Weg auf dem wir sie begleiten dürfen. Jule hat Probleme wie jeder von uns. Eine nervige Familie, einen Freund und einen Job, den sie eigentlich gar nicht mal so toll findet. Als durch eine auslösende Situation plötzlich alles über ihrem Kopf zusammenbricht, bricht sie einfach aus und fährt nach London.

Braucht es immer ein Happy End und was bedeutet das eigentlich?

Was genau ist eigentlich ein Happy End und wer definiert denn, ob es happy ist oder nicht? Ich denke, dass nicht jede Geschichte ein Happy End braucht, auch wenn natürlich jeder eines verdient hat, aber manchmal ist es auch einfach gut, wenn es schlicht endet. Ohne großes Tamtam. Ich glaube ich habe schon lange kein so authentisches Buch mehr gelesen bzw. gehört. In diese Geschichte fließen so viele Dinge ein, die das Leben ausmachen. Begegnungen mit Menschen, Abstand von Menschen, das Entdecken neuer Fähigkeiten und Vorlieben und natürlich das Meer. Auch an Emotionen wird hier nicht gespart. Ja, mag schon sein, dass Jule kein sehr gefühlbetonter Mensch ist, aber trotzdem gab es Szenen, die mein Herz einfach zum Schmelzen gebracht haben.

Ich geh mein‘ Weg als ob ich Wasser wär‘.

Ich gebe zu, das ist aus einem Lied von der Rapperin Bahar. Ich weiß nicht, wer von euch sie kennt, aber früher habe ich tatsächlich mal solche Musik gehört. Die Textstelle passt einfach so gut. Das Leben verändert sich und es verändert dich und manchmal fällt es uns vielleicht ein bisschen schwer, aber trotzdem wurstelt man sich durch, trotzdem geht man seinen Weg, auch wenn einem noch sie viele Steine in den Weg gelegt werden. So geht auch Jule ihren Weg, als ob sie Wasser wär‘. Sie findet einen Weg und ich finde den, den sie wählt einfach schön.

 

Fazit

Leseempfehlung | Lottas Lieblinge

Keiner, der bisher von 180 Grad Meer geschwärmt hat, hat gelogen. Dieses Buch ist für mich zu einem echten Herzensbuch geworden, dass ich definitiv auch noch für mein Regal kaufen werde. Wer auf authentische Charaktere, Settings und Handlungsverläufe steht, der sollte sich Jule und ihr Leben nicht entgehen lassen. Manchmal tut es gut Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, um die Welt neu zu sehen und vielleicht nicht mehr ganz so wütend zu sein. Ein Hoch auf Sarah Kuttner, die dieses fabelhafte Buch nicht nur geschrieben, sondern auch wirklich einmalig grandios vertont hat. Wenn ihr gerne Hörbücher hört, kann ich euch dieses Prachtexemplar nur ans Herz legen, ansonsten lest es selbst. Hauptsache ihr geht mit Jule auf die Reise.

Wer sind eure Lieblingshörbuch-Sprecher?

Eine weitere Meinung zum Buch findet ihr hier: Books in my World

5 Kommentare

  1. Soso, du bist also „Greys Anatomie-süchtig“. Lerne doch erstmal die Serie richtig zu schreiben, oder denkst du diese Serie aus den USA hat einen deutschen Titel? Oder überspringst du jedes Mal wenn das Logo eingeblendet wird? Wir wollen doch hier bitte keine Klischees erfüllen… LOL

    • Hallo Honey,
      du hast natürlich recht. Ich bin ein schlechter Süchtiger, weil ich ein „ie“ geschrieben habe. Ich sollte mich in Grund und Boden schämen. Wie konnte mir nur so ein Fehler unterlaufen? Danke, dass du meine Ehre gerettet hast. Ich habe es natürlich gleich geändert. Zum Glück hattest du gerade nichts anderes zu tun.

      Liebst, Lotta

    • Liebe Inga,
      da muss ich gleich mal nach deiner Rezension schauen. Ich habe das Hörbuch echt gefressen. Ich glaube, ich habe noch nie so viel Hörbuch am Stück gehört wie bei diesem. Unglaublich.

      Liebst, Lotta

  2. Hallo liebe Lotta,

    von dem Buch habe ich schon viel gehört, aber bisher bin ich immer eher so „drumherumgeschlichen“ – ich weiß eigentlich gar nicht warum. 😀

    Du hast mich jetzt aber endgültig überzeugt – das Buch ist gleich mal auf meine Wunschliste gewandert. 🙂
    Vielen Dank für deine begeisterte Rezension – ich habe sie gerade total gerne gelesen.

    Und wie cool, dass es das Hörbuch auf Spotify gibt!

    Ganz liebe Grüße und Dir noch einen schönen Sonntag,
    deine Hannah
    <3

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